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Wann ist die Regel die Regel?

Wer kennt ihn nicht, diesen Satz: „Das ist halt so. Das musst du aushalten." Viele Mädchen wachsen mit diesem einen Satz auf, der ihre Zukunft zementiert. Regelbeschwerden, so lernen wir es von klein auf, sind die Regel und gehören zum Frau sein dazu.

Dabei: Dem ist nicht so! Dieses tradierte Wissen, welches wir von unseren Müttern und die wiederum von ihren Müttern übernommen haben, ist schlichtweg ein Mythos. Einer, der endlich aufgeklärt gehört. Denn: Jeder Schmerz ist ein Signal. Und Signale sind dazu da, dass sie gehört werden. Und wir was ändern.

Der Mythos vom „normalen Schmerz“.
Unglaublich, aber wahr: Etwa 70 % der Frauen sind davon überzeugt, dass starke Menstruationsbeschwerden zu ihrem Alltag gehören wie Butter aufs Brot. Der Vergleich hinkt vielleicht nach, aber so alltäglich ist der Umgang damit und so lapidar gehen Frauen mit ihren Schmerzen um – wir wischen sie einfach weg. Frauen lernen also von klein auf, Schmerzen zu ignorieren. Mental und körperlich. Mit fatalen Folgen für ihre Gesundheit. Denn was die meisten von uns nicht wissen: Unser Körper hat ein Schmerzgedächtnis.

Wenn wir also auf Schmerzreize dauerhaft nicht reagieren, schraubt der Körper die Lautstärke dessen nach oben. Das kann man sich anhand eines Beispiels wie folgt vorstellen: Du verstaust dir das Sprunggelenk – und läufst einfach weiter, das pochende Gefühl ganz unten ignorierend. In Folge wird der Schmerz nicht verschwinden, sondern immer stärker werden, weil der Körper merkt: Die Botschaft kommt bei dir nicht an. Erst wenn du was änderst, wird dein Körper wieder leiser mit dir sprechen.

Dasselbe passiert bei Regelschmerzen, die Monat für Monat ignoriert werden. Was also tun? Wir beginnen mit Hinhören:

Körpersprache anders gedacht: Rede mit dir!
Die Auseinandersetzung mit unseren Menstruationsbeschwerden beginnt mal grundsätzlich in der Unterscheidung dessen. Nicht jeder Schmerz ist gleich. Die Art, wie er sich anfühlt, kann wichtige Hinweise liefern, wie du ihn lindern kannst.

Krampfend? Das deutet oft auf eine verstärkte Kontraktion der Gebärmutter hin, die versucht, die Schleimhaut abzustoßen. Hier gibt es viele Möglichkeiten der Linderung.
Stechend oder dauerhaft? Das kann auf entzündliche Prozesse, eingeblutete Zysten oder Endometriose hinweisen – und gehört differenzialdiagnostisch abgeklärt.
Ein Schmerztagebuch kann dabei helfen: Wann ist die Blutung am stärksten? Wie fühlt sich der Schmerz an? Wann genau tritt er auf? Diese Informationen sind für Ärzt:innen extrem wertvoll.

Check-up: Wann ist die Regelblutung eigentlich normal?
Diese Frage stellen sich viele Frauen. Und die Antwort lautet nicht: „Wenn es nicht zu sehr wehtut." Die Antwort lautet: Unangenehm ja – beschwerlich nein. Will heißen: Eine Regelblutung darf sich ankündigen. Sie darf spürbar sein. Aber sie sollte nicht dazu führen, dass du nicht aus dem Bett kommst, nicht arbeiten kannst oder deinen Alltag nicht mehr bewältigst.

Was medizinisch als normal gilt:
Dauer: 2 bis 7 Tage, wobei der 1. und 2. Tag üblicherweise am stärksten sind.
Menge: ca. 200–300 ml gelten als normal, ab 500 ml spricht man medizinisch von einer starken Blutung.
Zyklus: Im Schnitt 28 Tage (vom ersten Tag der Blutung bis zum nächsten), aber Zyklen zwischen 21 und 35 Tagen sind ebenfalls normal.

Wann du unbedingt zur Ärztin oder zum Arzt gehen solltest:
✓ Wenn du Schmierblutungen vor oder nach der Periode hast – das sollte immer hormonell abgeklärt werden.
✓ Wenn Blutungen auftreten, die unabhängig vom Zyklus sind – das kann auf einen Polypen am Muttermund oder an der Gebärmutterschleimhaut hinweisen.
✓ Wenn die Blutung plötzlich stärker oder unregelmäßiger wird als gewohnt.
✓ Wenn Schmerzmittel nicht mehr helfen oder du sie regelmäßig über mehrere Tage nehmen musst.

Es gibt Hilfe – und es gibt Optionen.
Die gute Nachricht: Du musst nicht leiden. Es gibt heute viele Wege, Beschwerden zu lindern:

Pflanzliche Präparate, die den Zyklus regulieren und Krämpfe lindern können.
Hormonpräparate, die – auch wenn sie gerade nicht im Trend liegen – sehr wirkungsvoll sind. Auch im Langzyklus, also ohne monatliche Blutung. Das kann besonders sinnvoll sein, wenn du sportliche Leistungen erbringen möchtest oder die Blutungen dich stark beeinträchtigen.
Gezielte Diagnostik, um die Ursachen deiner Beschwerden zu verstehen

Und noch etwas, als kleine Randnotiz: Auch eine erhöhte Lust während der Regel ist für viele Frauen normal. Der Körper ist komplex – und die Menstruation ist ein Teil davon, der mehr Aufmerksamkeit verdient als er bekommt.

Nennen wir es beim Namen.
Die Regelblutung gehört zum Leben. Sie ist kein Tabu, keine Schwäche, kein Problem, das man für sich behalten muss. Und apropos beim Namen nennen, hier noch ein kleiner Nachtrag: Was viele von uns als „Scham" (ja, tatsächlich, noch immer) bezeichnen, heißt richtig Vulva. Nennen wir es also auch so! Denn: Klare Sprache hilft, klar zu denken – und klar zu handeln. Ganz ohne Scham.

In eurem eigenen Interesse: Redet darüber. Mit euren Müttern, Töchtern und Freundinnen.

Wenn du Fragen zu deinem Zyklus, zu Schmerzen oder zu möglichen Ursachen hast, sind wir für dich da. Ein erstes Gespräch ist oft der wichtigste Schrit

Dr. Schenk & Team, Kinderwunsch Institut Schenk


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